THE JOURNAL OF ALTERNATIVE AND COMPLEMENTARY MEDICINE
Volume 8, Number 3, 2002, pp. 371-377
©Mary Ann Liebert, Inc.

 

Myopie - eine holistische Betrachtung:
Eine Fallstudie und theoretische Untersuchung

 

ANNA BAMBRIDGE, M.A.(Cantab.), M. Phil.

 

ABSTRAKT

Einführung: Myopie ist eine oft auftretende Kondition, die in den westlichen Nationen ca. 30-35% der Bevölkerung betrifft (Grosvenor und Goss, 1999). Zur Zeit ist die meist praktizierte Behandlung von Myopie eine optische Intervention z.B. durch Sehhilfen wie Brillen, Kontaktlinsen oder operative Eingriffe.
Hintergrund: In dieser Schrift wird eine Untersuchung der historischen und wissenschaftlichen Grundlagen untersucht, die für die gegenwärtigen Behandlungsmethoden sprechen. Das Konzept der Myopie als ein holistisches Phänomen und die Idee einer möglichen Heilung werden vorgestellt.
Fallstudie: Eine Fallstudie eines Patienten, der seine Brillenstärke reduzierte und es werden die Anwendung holistischer Techniken zur Veränderungen in der Myopie mit der Stellungnahme des Patienten vorgestellt.
Zusammenfassung: Es wird zusammengefasst, dass das zur Zeit gültige Modell, das die Verschreibung von negativen Brillengläsern im Falle der Myopie gerechtfertigt, aufgrund der präsentierten Fallstudie, neu erforscht werden sollte.

EINFÜHRUNG

Myopie wird beschrieben als "der Zustand der Brechung in welcher parallele Lichtstrahlen in das Auge eintreten und vor der Retina zur Ruhe kommen"(Curtin, 1985). Dieser Zustand wird als eine verschwommene Sicht erfahren und der Grad dieser verschwommenen Sicht hängt von dem Grad der Myopie ab. Das Auftreten der Myopie fluktuiert stark in gewissen Teilen der Welt. Kinder im ländlichen Nepal zeigen ein Auftreten von 3% auf (Garner et al, 1999) und in Hongkong erfahren Schulkinder eine Rate von 62% (Lam et al, 1999). Dieser Trend liegt in den westlichen Nationen bei 30-35% (Grosvenor and Goss, 1999). Konventionelle Behandlungen verändern den Brechungszustand an der Außenseite des Auges und gestatten es das Licht derart zu bündeln, dass es auf der Retina fokussiert wird. Dies gelingt durch Sehhilfen wie Brillen, Kontaktlinsen oder Orthokeratologie (ein Verfahren bei dem feste Kontaktlinsen über Nacht getragen werden und daher kurzfristig die Korneawölbung verflachen), oder operativer Eingriff in die Kornea. Keine dieser Methoden verändern die Myopie des Auges, d.h. die Myopie verbleibt, wird jedoch durch diese Methoden kompensiert.

HINTERGRUND

Geschichte

In jedem Kulturkreis mit etablierten optometrischen Berufen wird die Myopie direkt mit der Korrektur der Lichtbrechung mit den zuvor beschriebenen Hilfsmitteln verbunden. (Wo Sehhilfen wie Kontaktlinsen oder Brillen angewandt werden, werden auch die zuvor beschrieben Behandlungsmethoden eingesetzt) Myopie zu verstehen und die Rolle der optischen Intervention zu hinterfragen bedeutet eine weitere historische und philosophische Untersuchung der Gründe und Bestätigung dieser Rechtfertigung (Bambridge, 2001). Dieser Artikel besteht aus der Untersuchung der wissenschaftlichen Argumentation dieser medizinischen Intervention im Falle der Myopie und benutzt eine Fallstudien-Methodologie (Bromley, 1986). Der Artikel kommt zu dem Schluss, dass wenn Myopie in einem holistischen Modell der Gesundheitsbesserung betrachtet wird (d.h. eine Umkehrung der Myopie und das Erreichen einer besseren Sicht), ist es möglich optische Interventionen unnötig zu machen.

Optische Intervention und noch spezifischer die organisierte Methode der Verschreibung von optischen Sehhilfen durch einen Optometristen stammt von der wissenschaftlichen Studie der Optik, insbesondere im späten 19. Jahrhundert durch die Arbeit von Helmholtz (1871) und Donders (1864). Die Erkenntnisse über die Natur des Lichts and wie es verschieden Medien durchdringt und die Möglichkeit Glaslinsen und Prismen zur Ablenkung und Fokussierung von Licht einzusetzen - wurden als Modelle des Auges und des Fokussierungssystems verwendet.

Das Verfahren der Wissenschaft ist eine kollektive Aktivität mit der Sammlung von organisiertem Wissen. Dieses Wissen stammt von Hypothesen, die laufend mit jeder Beobachtung und jedem Experiment getestet werden. Wenn die Resultate eines Experiments oder einer Beobachtung mit der jeweiligen Hypothese nicht kompatibel sind, dann wird entweder die Qualität des Experiments hinterfragt oder die Hypothese selbst wird hinterfragt, um die Theorie und die Beobachtung zu harmonisieren. Es ist diese Spannung zwischen der Theorie und dem Experiment oder der Beobachtung, die als Katalyse für die Kreativität der neuen Ideen und neuen Experimenten in der Entwicklung der Wissenschaft dienen. (Diese Beziehung kann zu diesem Punkt genommen werden, wo die Theorie aus der Beobachtung geschaffen wird und nicht wie normalerweise, wo die Beobachtung oder das Experiment die theoretische Hypothese testen (Glaser & Strauss, 1967).) Während dieses gesamten Prozesses, ganz gleich wie er durchgeführt wird, gibt es keine unbestreitbare Sicherheit, die über die Wirkung einer Kritik hinausgeht (Medawar, 1984) und Hypothesen bleiben immer nur Hypothesen, d.h. ersetzt immer die gesamte Sicherheit, die wir nie erreichen (Kant c.1790, zitiert in Medawar, 1984). Wenn das angespannte Gleichgewicht zwischen der Sammlung von Information und der theoretischen Betrachtung der Wissenschaft verloren geht, kann es zu einer Flutwelle von Beobachtungen und Informationen ohne theoretische Basis kommen, die versucht die Informationen zu verbinden, um zu einem wissenschaftlichen Sinn zu kommen. In ähnlichem Maße können Hypothesen als die ‚Wahrheit’ verstanden werden und Abweichungen zwischen Experimenten oder Beobachtungen werden nahezu immer als ein Fehler in der Solidität der Experimentstechnik verstanden. An diesem Punkt hört Wissenschaft auf Wissenschaft zu sein und wird durch das Dogma übernommen. Es ist ein derartiges Ungleichgewicht, das zu einer kontinuierlichen allgemeinen Ungläubigkeit innerhalb des optometrischen Berufs geführt hat, dass jegliche Sehverbesserungen als unmöglich gehalten wird.

Während des Durchwirken der Theorie und des Experiments können verschiedene Methoden der Untersuchung und Analyse benutzt werden. Die Nützlichste ist die, die am genauesten die Ergebnisse der Experimente und Beobachtungen beschreibt. Beispiele für den Wechsel in den Analysemethoden sind z.B. die Benutzung des Infinitesimalkalküls zur Beschreibung von Kurven oder kurvenförmigen Oberflächen (Whiteside, 1968; Kreiling, 1968), multifraktale Geometrie in der Modellierung von Wolken und der Topographie (Lovejoy et al, 2001) und spezielle Relativität in der Analyse von hochgeschwindigen astronomischen Beobachtungen (Bohm, 1996). Jedes dieser theoretischen Modelle hat die Möglichkeit erweiterten wissenschaftlichen Sinn aus einem Experiment und Beobachtung zu erhalten und kann daher als erfolgreich eingeschätzt werden mit der Bedingung, dass sollte eine Theorie auftreten, die die Situation akkurater beschreibt, das zur Zeit gültige Modell durch das Neue ersetzt wird.

Die klassische Methode der wissenschaftlichen Analyse, d.h. die Methode, die am meisten in der optometrischen Forschung eingesetzt wird, beinhaltet eine theoretische Trennung aller möglichen Komponenten der Interaktion. Das Experiment wird dann durchgeführt und schließt möglichst viele Variablen aus, um so Ursache und Auswirkung zu etablieren. Wenn die Anzahl der Variablen groß ist und ihre Interaktion untereinander sich komplex gestaltet, dann ist diese Analysemethode ineffizient und das Phänomen kann entweder unterbrochen werden oder noch schlimmer inakkurat beschrieben werden. Das Problem ist, dass die Kontexttrennung innerhalb der klassischen Physik für fallende Körper relativ gut funktionierte und zu einem Modell für alle wissenschaftlichen Bereiche wurde (Hubbard, 1989). Biologische Systeme, insbesondere Organismen sind ein Beispiel für ein mehrfach-variables System, die klassische Reduktionstechniken oft falsch beschreiben. Ein nicht-biologisches Beispiel ist eine Spirale. Wenn eine Spirale zur Analyse in viele kleine Teile unterteilt wird, könnte man zusammenfassen, dass eine Spirale aus vielen Geraden besteht, da jedes einzelne Teil dies beschreiben würde. Diese Analyse würde viele wichtige Eigenschaften einer Spiral unbeachtet lassen und dient daher als Beispiel, welche Art von Ungenauigkeiten sich entwickeln könnten, wenn das geeignete Analysewerkzeug nicht benutzt wird und der Umfang und der Kontext der Situation nicht ordentlich erörtert wurde. Ähnlich verhält es sich bei der optischen Intervention für Myopie, wo klare Einzelheiten geliefert werden, jedoch der Kontext des Verhaltens eines visuellen Systems und die Heilungschancen ausgelassen werden.

Während die Technik und Elektronik praktische Anwendungen der Physik sind, die unser Vertrauen in die Wahrheit des Felds verstärken (unser Verständnis der Natur ist nur wahr innerhalb des Bereichs, indem es funktioniert (Keller, 1989)), so können wir die Medizin als eine praktische Anwendung unseres biologischen Verständnisses zur Förderung einer gesunden Funktionalität verstehen. Da das wissenschaftliche Verständnis sich weiterbewegt und verändert, verändert sich auch die Medizin und die Gesundheitspflege unter Berücksichtigung der genannten Veränderungen. Die Analysewerkzeuge der Biologie sind stetig gewachsen und reflektieren die Muster der betroffenen Systeme und ihrer kontextuellen, eingebundenen und relativen Natur. Es wurde mittlerweile anerkannt, dass es die relationale Ordnung zwischen den Komponenten ist, auf die es ankommt und zwar mehr als nur die materielle Zusammensetzung in Lebensprozessen (Goodwin, 1994). Die Wirkung und die Rolle eines individuellen Teils kann daher nicht verstanden werden, ohne seinen Kontext und die Verbindung dieses Teils zu verstehen. Dies ist eine holistische Betrachtung der Wissenschaft und ist daher ein Argument für die holistische Betrachtung von Medizin und Gesundheitspflege. Die Betonung der relationalen Ordnung zwischen Komponenten bedeutet, dass jedes Symptom innerhalb seines Systems und unter Berücksichtigung aller Interaktionen untersucht werden muss.

Wenn man von einer holistischen Betrachtungsweise ausgeht, dann sind Lebensstil, Beziehungen, Emotionen und der Körper alle zusammen Signale, Reflektionen, Teil und Gesamtheit des Gesundheitszustands. Lokale Symptome, auftretende Schmerzen und Erkrankungen können nur in diesem Kontext angesprochen werden und eine breite Betrachtung der Bedürfnisse des Einzelnen und seiner/ihrer Gemeinschaft einbeziehen. Die Heilung wird dann ein emotionaler wie ein physischer Prozess. Es gibt keinen Gedanken, kein Gefühl oder Erfahrung ohne eine molekulare und chemische Reaktion oder Veränderung. Was wir zu behandeln versuchen ist letztendlich die chemische/molekulare Manifestation wie jemand die Dinge sieht und interpretiert (Jobst et al, 1999).

Myopie als ein holistisches Phänomen

Die verschwommene Wahrnehmung, die mit Myopie einhergeht, ist in diesem Kontext nur ein Aspekt seiner Manifestation. Myopie kann auch als ein Muster von hervorgehobenen Spannungen in der Stirn, dem Kiefer, Nacken, den Schultern, den Oberarmen und der unteren Wirbelsäule beschrieben werden. Es kann als ein reduziertes peripheres Bewusstsein und eine verlängerte zentrale Fixierungszeit (starren) beschrieben werden (Schneider et al, 1994). Myopie kann als „ ein Zustand komprimierter Ängstlichkeit und unterbewusstem Verständnis ” (Goodrich, 1985) und „ Introvertiertheit, einer Über-Kontrolle der Emotionen und einer hohen Toleranz für Ängstlichkeit ” erklärt werden (Lanyon and Giddings, 1974). Beim Tragen einer Brille wird die Myopie an einem Ort festgehalten und die bewusste Verwundbarkeit, die eine verschwommene Sicht mit sich bringt, wird verloren. Hilfe und Interaktion werden nicht verlangt oder erhalten und eine Art unterbewusster Einsamkeit und Distanzierung kann sich einstellen. Die Welt, die durch die Brillengläser projiziert wird ist eng, starr und oberflächlich und für den Brillenträger, gibt es nur diese Welt. Sehhilfen sind eine physikalische Intervention, die eine Auswirkung auf den Körper, die Gedanken, Gefühle und Erfahrungen haben.

Die Heilung von Myopie wird somit eine Prozess der Veränderung. Eine Erleichterung der körperlichen Spannungen, Steigerung des peripheren Bewusstseins, eine Erweiterung der kontextuellen Bedeutung, eine Steigerung in der Flüssigkeit und Tiefe der Bewegung der Augen, des Körpers, Gedanken und Gefühle. (Es sollte beachtet werden, dass obwohl Myopie das Thema dieses Artikels ist, es Berichte über die Heilung von anderen Sehbehinderungen gibt, die diese Techniken benutzt haben d.h. kongenitale Katerakts und Nystagmus (Schneider, 1987)). Das folgende Zitat stammt von einem Aufsatz von Orfield, der ein Programm der Sehtherapie über einen Zeitraum von 7 Jahren verfolgte. „ Ich beobachte wie sich der Raum sichtbar erweiterte - Menschen wurden größer und das Raumvolumen stieg unglaublich. Das Erkennen von Raum ist sehr unterschiedlich, wenn man nur eine 20/20 Sicht hat, diese Sicht wird bei starken Brillengläsern verloren, wenn eine rein zentral ausgerichtete Sicht verschrieben wird. Das Zurückgewinnen dieser Fähigkeit machte die Reduzierung und die Kontrolle meiner Myopie lohnend. Die &bsquo;offensichtliche Bewegung’ der Bäume und Hecken, an denen ich vorbeilief, veranlassten mich Abstand auf eine neue Art zu erkennen. Ich erkannte, dass die offensichtliche Geschwindigkeit feststehender Objekte, die an mir und um sich selbst zu laufen schienen, in Relation zu ihrer Entfernung zu mir erschienen, als ich an ihnen vorbeilief. Ich empfand als wenn Säulen an mir vorbeisausten, der feste Bürgersteig rollte unter meinen Füßen. Meine Sicht und Wahrnehmung unterschied ich deutlich von der teleskopischen Sicht meiner starken Brillengläser”(Orfield, 1994). Eine andere Beschreibung erzählt von der Erfahrung während der Ausübung der Bates Methode der Sichttherapie (Beschreibung siehe unten). „ Meine Vorstellungskraft wurde stark und klar und ich konnte mir vorstellen, was immer ich sehen wollte. Die Welt wurde durch eine neu gefundene Resonanz erhellt und mein Widerstand gegen die Stadtlandschaft, Los Angeles und der Welt verschwand im Allgemeinen. Ich wurde mehr aufnahmebereit, das Gesamte, das vor mir lag, zu sehen. Und so entdeckte ich, dass die Lehren, die ich zog, auch meine Furcht und Abwehrmechanismen verringerten, die mich davon abhielten, und der Welt direkt entgegenzusehen. Nach einem Monat oder so, erkannte ich plötzlich rasierklingenscharfe Kanten und Neonfarben. Nach einiger Zeit kamen weitere sichtbare Erkenntnisse, die mich nun reizten, wie Einsichten, die kamen und gingen. Mit mehr Praxis wurden diese Blicke längere Momente einer reichhaltigen Erkenntnis. Bald erfuhr ich Signale von herrlichen Formen und lebhaften Farben, Ecken und Kanten waren nun immer scharf und jede Straßenecke schilderte ganze Geschichten”(Sewall, 1999). Diese Erfahrungen illustrieren die Intensität der Erlebnisse, die berichtet wurden, wenn eine Sichttherapie unternommen wurde.

FALLSTUDIE

Optometrischer Bericht

Im Alter von drei Jahren wurden dem Patienten Minusgläser für Myopie und divergentem Schielen verschrieben. Das Schielen verbesserte sich während seiner Kindheit und die Stärke der Brillengläser steigerte sich bis 1995, als der Patient 21 Jahre alt war. Seine Stärke war -9.75 -1.75x80 für das rechte Auge und -9.50 -0.75x90 für das linke Auge. Die nicht korrigierte Sichtstärke war zu dieser Zeit ca. 6/900. In 1996 begann der Patient eine Behandlung mit holistischen Techniken zur Sichthilfe und die Stärke seine Gläser begann sich zu ändern. Die Stärke der Gläser reduzierte sich zunächst auf -7.25 -1.75x80 für das rechte Auge und -7.75 -1.50x85 für das linke Auge. (in 1996 wurden die Brillengläser von A. Kirshner, OD, FAAO, 1535 Sherbrooke St. W, Montreal, Que., Kanada die Schärfe gemessen und verschrieben). Am 12. Juni 1996, als diese Brillengläser zum ersten Mal getragen wurden, lag die Schärfe, die durch die Gläser gemessen wurde, bei 6/12. Am 12. Juli 1996 war die gemessene Schärfe 6/6 und die Stärke der Brillengläser war auf -6.50 -1.75 x 80 für das rechte Auge und -6.50 -1.50 x 85 für das linke Auge reduziert. Im September 1997 veränderte sich die Stärke der Brillengläser für beide Augen auf -4.50D. Die Anzahl der Stunden, die der Patient pro Tag ohne das Tragen einer Brille verbrachte, steigerte sich auch allmählich, so dass er manchmal einen ganzen Tag ohne Brille verbringen konnte. Im Januar 1998 wurde eine nicht unterstützte Fernsicht von 6/18 gemessen (diese Messung wurde von einem optometrischen Mitarbeiter der Glasgow Caledonian University gemessen, der auch in der bei der Veränderung der Verschreibung tätig war). Im Februar 1998 wurde die Stärke der nur teilweise getragenen Brille auf - 3.50D für beide Augen reduziert und im April 1998 brauchte der Patient keine Brille mehr tragen.

Behandlung

Die Zeit, die der Patient ohne Brille oder mit Brillen reduzierter Stärke verbrachte, wurde durch eine Reihe holistischer Techniken unterstützt. Diese werden wie folgt in einer kurzen Beschreibung aufgelistet.

Die kraniosakrale Therapie ist eine drucklose, leicht berührende Form einer Körperhalterung, die dazu benutzt wird, traumatische Bedingungen anzusprechen (Milne, 1995). Der Patient erhielt eine Vollkörper Aromatherapie Massage mit essentiellen Ölen (Vickers, 2000). Die selbstheilenden Methoden des Meir Schneider enthielten Atemübungen, Körperstrecken und Bewegungen, die dem Patienten fremd waren (Schneider, 1994). Die Alexander-Technik ist eine Körpertechnik, die hilft gewisse habituelle Körperhaltungen zu erkennen und erleichtert das neue Bewusstsein in Sachen Körperhaltung und Bewegung. In einer Lehrstunde verhilft der Lehrer dem Klienten sich durch eine Reihe subtiler Haltungsänderungen, insbesondere des Nackens (Chance, 1999) zu bewegen. Die Komponenten des Palming, Swinging, Swaying, Shifting und Sunning sind als Bates Methoden bekannt (Mansfield, 1992). Palming ist der Name einer Technik, wo der Klient seine Augen mit den Handflächen seiner Hände verdeckt. Die leichte Berührung der Augen sollte in der Dunkelheit vorgenommen werden, Beim Swinging steht der Klient auf und dreht seinen Körper um 1800 , während er während der Bewegung sein Sichtfeld an seiner Nase und seinen Schultern ausrichtet. Swaying beinhaltet das Verlagern des Körpergewichts von einem Fuß auf den Anderen im Stand. Die offensichtliche Bewegung zwischen nahen und weiter entfernten Objekten kann während des Swaying beobachtet werden. Shifting ist der Name einer Übung, wo die Beobachtung von Details geübt wird und der Augenmerk (das Fokus) leicht und schnell von einem Punkt auf einen Anderen gerichtet wird. Sunning ist das Sehen in die Sonne, während die Augen geschlossen sind. Die Sichttherapie, an der der Patient teilnahm war eine Mischung aus der Bates Methode, Psychotherapie und Beratung.

Zu Anfang (Juni bis September 1996) unternahm der Patient eine tägliche Körperentspannungsübung und benetzte seine Augen mit kaltem Wasser. Im Herbst 1996 begann der Patient seine monatliche Übungsreihe mit einem Sichttherapeuten. Diese Unterstützung wurde während des gesamten Therapieprozesses fortgeführt, jedoch wurde zwischen 1998 und 1999 die Häufigkeit der Therapiestunden auf eine Stunde alle drei Monate reduziert. Von September 1997 und in 1998 und 1999 erlernte der Patient Körperstreckungs-techniken, Atemtechniken und periphere Sichtstimulationstechniken durch die Selbstheilungstechniken des Meir Schneider. Diese Übungen wurden täglich zuhause durchgeführt. Im Herbst 1998 erhielt der Patient einmal wöchentlich die kraniosakrale Therapie, eine Alexander-Technik Stunde oder eine Aromatherapie-Massage. Diese Sitzungen (Massage, kraniosakrale Therapie oder Alexander-Technik) wurden in 1999 mit einer reduzierten Häufigkeit von einer Sitzung pro 6 Wochen fortgeführt.

Aussage des Patienten

„Es fällt mir heute schwer, mir vorzustellen, wie abhängig von meiner Brille war. Ohne sie konnte ich nicht existieren; sie war ein Teil meiner Identität, die ich nie hinterfragt habe. Zu lernen meine Sehstärke zu verändern war eine vollkommen neue Erfahrung und es war eine Erfahrung, die ich selbst beeinflusste. Der optometrische Mitarbeiter, der mir die einzelnen Techniken vorstellte, gab mir eine Menge Enthusiasmus, Lob und Ermutigung, aber ich war’s der die Veränderungen unternahm und einführte, selbst wenn ich sie nicht vollends verstand. Das Gefühl von Macht und Veränderung war übermächtig und als meine Verschreibung sich veränderte, veränderte sich auch meine eigene Identitätseinschätzung.

Ich begann Dinge zu fühlen, die ich nie zuvor gefühlt hatte, Ereignisse um meine Augen herum und in meinem Gesicht. Eine Enthüllung durch die ich mich hindurchweinte. Ich konnte auf eine Art sehen, wie ich nie zuvor gesehen hatte; die sich bewegenden Blätter auf Bäumen, die Farbe des Himmels. Dinge, die ich wusste, doch nie zuvor gefühlt hatte. Die Intensität schockierte mich und konnte es oft nicht aushalten und ich zog mich in mein Bett zurück, um mich von der Erfahrung zu erholen. Bewegung und Tiefe waren auch neu und erweiterten sich ständig, das Gehen auf der Straße fühlte sich an wie auf der Achterbahn mit all der Furcht und Erregung einer Achterbahnfahrt. Ich erfuhr eine neue Tiefe, die ich bisher nicht erfahren hatte und ich konnte fühlen, wie weit Objekte entfernt waren und wie weit ich weg war. Während ich mehr und auf verschiedene Art sehen konnte, entwickelte ich auch ein anderes Selbstgefühl. Ein Gefühl, als ob ich meinen Körper von innen füllte, meine Zirkulation verbesserte sich, meine kalten Hände und Füße traten nicht mehr so oft auf. Ich wurde mir meines eigenen emotionalen Zustands und dem von Anderen besser bewusst, eine Veränderung, die zunächst sehr befremdlich und verwirrend war. Ein Raum voller Menschen mit seiner Vielzahl von Interaktion macht mich schwindelig und ich fühlte, dass ich mich zurückziehen müsse, da ich mich für diese Intensität nicht ausgerüstet empfand.

Als ich zum ersten Mal für einige Momente alles klar erkannte, wurden meine Knie schwach, mein Herz schlug heftig und ich war erleichtert als meine verschwommene Sicht zurückkehrte. Es fühlte sich so neu an und etwas an der klaren Sicht war Furcht erregender als die verschwommene Sicht, die ich vorher hatte. Ich hatte eine solche Angst, dass ich manchmal mit Magenkrämpfen krümmte, ich mich nicht bewegte und ich mich nicht traute hinzuschauen. Meine Gesichtsmuskeln schmerzten und ich empfand oft Beklemmungen. Oft war ich sehr verärgert, jedoch wenn ich die Emotion zuließ, sowie das Lachen und Weinen, bekam ich schnell meine Klarheit zurück.

Wenn ich nach dem Erlebnis der Mühelosigkeit, der Verbundenheit und der Leichtigkeit gut zu sehen meine Brille wieder aufsetzte, erfüllt mich eine Traurigkeit und ich krümmte mich leicht, meine Schultern versteiften sich und das unangenehme Gefühl äußerte sich in meinen scharfen Bemerkungen und meiner Lustlosigkeit zu kommunizieren. Jeder Schritt in die Verschwommenheit wurde zu einem Schritt in das Unbekannte, jedoch durch die Verwirrung der Veränderung, machte es alles einen Sinn. Ich hatte auch das Gefühl der Sicherheit inzwischen meinem emotionalen Chaos. Ich konnte schreiben, zeichnen, Musik hören, mir Bilder anschauen und den emotionalen Inhalt, nicht nur aus der Distanz, verstehen. Gleiches galt für meine Kommunikation mit Anderen. Es wurde leichter.

Meine Erfahrung mit dem Tragen einer Brechungskompensation für Myopie ist, dass sie nicht flexibel, verengend, eng, taub und vorwärts gerichtet war und eine Änderung nicht zuließ. Aus dieser Situation herauszukommen war schwierig. Manchmal fühlte ich mich, als wenn auf halbem Weg an einer Klippe hing und nicht zurück konnte und meine einzige Wahl war, weiter daran zu hängen und weiter zu klettern. In solchen Zeiten hat die Unterstützung meiner Familie, Freunde, Therapeuten, Außenaktivitäten, Musik und Kunst diesen Heilungsprozess nicht nur erleichtert, sondern sie waren Instrumente dieses Prozesses und selbst der Grund für diesen Prozess. Ich entdeckte, dass Veränderung möglich war und dass ich die Fähigkeit hatte eine unabhängige Sehstärke zu entwickeln und der Gedanke meine Brille wieder aufsetzen zu müssen, erfüllte mich mit Verzweiflung.”

ZUSAMMENFASSUNG

In diesem Artikel wurde die wissenschaftliche Rechtfertigung hinter denen zur Zeit dominanten Theorien der Sehstärke, die den Beruf der Optometrie untermauern, untersucht. Die kontextuelle Relevanz und Richtigkeit des wissenschaftlichen Modells wurden diskutiert and die Ankunft holistischer Modelle in der Biologie präsentierten eine logische Grundlage für Experimente mit holistischen Modellen in der Gesundheitspflege. Es wurde eine Fallstudie präsentiert, die die holistische Betrachtung von Myopie umfasste. Das Resultat dieser Studie waren eine Steigerung der Sehschärfe, eine Minderung der Spannung und eine Steigerung der gesamten Bewusstseinserfahrungen. Diese Studie der holistischen Betrachtung von Myopie interpretiert Myopie als einen intrinsischen Teil des menschlichen Ablaufs und das jeder Versuch diesen zu ändern auch eine Interaktion mit diesem Prozess erforderlich macht. Eine erfolgreiche Heilung aus dieser Perspektive erfordert, dass man einer tiefen, eingegliederten Welt des Symbolismus und der Metaphern eine sorgsame Beachtung gibt und sich der vielgestaltigen Interaktion widmet, die solch eine Beachtung mit sich bringt.

Diese Fallstudie und die Erfahrung mit den geschilderten Veränderungen werden als Beweis angeboten, dass das bestehende Modell der Sichtstärke, dass das verschreiben von negativen Gläsern in Fällen von Myopie gerechtfertigt, erneut untersucht werden muss. Da die Fallstudie mit einem Experiment unter der Verwendung von holistischen Gesundheitstechniken präsentiert wurde, würde dies auch implizieren, dass man sich mit der Frage der Gültigkeit eines holistischen Gesundheitsmodell auseinandersetzen muss.

REFERENCES

Bambridge, A. An Investigation of Myopic Visual Function and the Effect of Holistic Vision Therapy. MPhil thesis, Glasgow Caledonian University, 2001.

Bohm, D. The Special Theory of Relativity. Routledge, London, 1996.

Bromley, DB, The Case Study Methodology in Psychology and Related Disciplines. John Wiley and Sons, Great Britain, 1986.

Chance, J. Thorsons Principles of the Alexander Technique. Thorsons, 1999.

Curtin, B. The Myopias. Harper and Row, 1985.

Donders, F. On the Anomalies of Accommodation and Refraction of the Eye: The New Sydenham Society: London, 1864.

Garner, L., Owens, H., Kinnear, R. and Frith, M. Ocular dimensions and refraction in Tibetan children. Optom Vis Sci 1999;72:266-271.

Glaser, BG, Strauss, AL. The Discovery of Grounded Theory: strategies for qualitative research. Aldine Publishing Company, New York, 1967.

Goodrich, J. Natural Vision Improvement. Celestial Arts: Berkeley, California, 1985.

Goodwin, B. How the Leopard Changed Its Spots: the Evolution of Complexity. Pheonix: London, 1994.

Grosvenor, T. and Goss, D. Clinical Management of Myopia. Butterworth Heineman, 1999.

Helmholtz, H. Helmholtz's Treatise on Physiological Optics. Dover Publications,New York, 1871.

Hubbard, R. Science, Facts and Feminism. In: Tuana, N, ed. Feminism and Science, Indiana University Press, 1989:119-131.

Jobst, KA, Shostak, D. and Whitehouse, PJ. Diseases of Meaning: Manifestations of Health, and Metaphor. J Altern Complement Med 1999;5:495-502.

Keller, EF, The Gender/Science System. In: Tuana, N, ed. Feminism and Science, Indiana University Press, 1989:33-44.

Kreiling, FC. Leibniz. In: Kline, M, ed. Mathematics: An Introduction to its Spirit and Use. San Fancisco: W.H. Freeman and Company, 1968:33-38

Lam, C., Edwards, M., Millodot, M. and Goh, W. A 2-year longitudinal study of myopia progression and optical component changes among Hong Kong schoolchildren. Optom Vis Sci 1999;76:370-380.

Lanyon, R. and Giddings, J. Psychological Approaches to Myopia: a Review. Am J Ophthal Physiol Opt 1974;51:271-281.

Lovejoy, S, Schertzer, D, Tessier, Y and Gaonac’h, H. Multifractals and resolution-independent remote sensing algorithms: the example of ocean colour. Int J Remote Sensing 2001;22,7:1191-1234

Mansfield, P. The Bates Method. MacDonald Optima, UK: London, 1992.

Medawar, P. The Limits of Science. Oxford University Press, 1984.

Milne, H. The Heart of Listening, A Visionary Approach to Craniosacral Work. North Atlantic Books, Berkeley, California, 1995.

Orfield, A. Seeing Space: Undergoing brain re-programming to reduce myopia. J Behav Optom 1994;5:123-131.

Schneider, M. Self-Healing: My Life and Vision. Penguin Arkana: London, 1987.

Schneider, M. Larkin, M. and Schneider, D. The Handbook of Self-Healing. Penguin Arkana, 1994.

Sewall, L. Sight and Sensibility: The Ecopsychology of Perception. Tarcher.Putnam: New York, 1999:3.

Vickers, A. Why aromatherapy works (even if it doesn’t) and why we need less research Br J Gen Prac 2000 Jun; 50(455):444-5

Whiteside, DT. The Mathematical Papers of Isaac Newton, Volume I, 1664-1666. In: Kline, M, ed. Mathematics: An Introduction to its Spirit and Use. San Fancisco: W.H. Freeman and Company, 1968:29-32